Meine Erfahrungen bei Senioren mit Demenzerkrankung

 

Aufgrund meiner wundervollen Resonanz bei meiner heutigen Klangarbeit im Seniorenheim mit Demenzbewohnern habe ich mich entschlossen ein paar Erfahrungen bzgl. meiner Entspannung mit Klangschalen hier vorzustellen:

 

Heute, 9. Mai 2019, war ich nach Urlaubsrückkehr endlich wieder bei „meinen lieben Damen“ im Seniorenheim, denen ich mit meinen Klangschalen eine kleine entspannte Auszeit anbieten darf. Zuletzt war ich am 5. März diesen Jahres dort gewesen – also vor gut 9 Wochen.

 

Ich war wirklich tief berührt und es freut mich sehr, dass ich von allen sofort wiedererkannt worden bin. Und auch die Klangschalen waren allen bekannt.

Dies zeigt mir, dass meine Klangarbeit hier wirklich sinnvoll ist und entsprechend Gutes bewirkt, wenn trotz Vergesslichkeit bei einer Erkrankung mit Demenz eine solche Verbindung aufgebaut werden kann.

 

Frau W.:

Begonnen habe ich bei Frau W., die den Klang bislang immer sehr genossen hat und mir dieses auch jedes Mal zurückgemeldet hat, wenn ich bei ihr war.

Ebenso hat sie auch immer eine sehr schöne humorvolle Art zu kommunizieren.

Ja, sie ist etwas schwerhörig, was in dem Alter aber sicherlich auch bei vielen Menschen so ist und entsprechend lauter unterhalten wir uns. Aber das ist vollkommen egal, denn es ist jedes Mal eine wirkliche Freude dort zu sein.

Und ihr strahlendes Gesicht zur Begrüßung bestärkt mich entsprechend in meinem Tun  J
Auch eingeschlafen ist sie das ein oder andere Mal wenn ich die Klangschalen in regelmäßigen Abständen angeklungen habe – egal ob die letzten Male liegend im Bett, oder auch zuvor sitzend im Rollstuhl am Tisch.

 

Nun komme ich also nach 9 Wochen mit meinen Klangschalen auf dem Wägelchen in ihr Zimmer.

Sie schläft und der Fernseher tönt mir in einer Lautstärke entgegen, so dass mein erster Weg zur Fernbedienung führt, um diesen auszuschalten.
Sodann schiebe ich den Teewagen leise zu ihr und stelle ganz sanft und achtsam eine Klangschale in der Nähe ihrer Beine auf das Bett.
Das hat Frau W. dann wohl doch mitbekommen, denn auf einmal schaut sie mich mit großen Augen an.
Im gleichen Moment kommt das mir bekannte Strahlen über ihr Gesicht, sie ergreift meine Hände, begrüßt mich freudestrahlend und gibt mir einen Kuss auf meine Hand.

 

Ist das schön  J J J
 

Da bin ich sooo lange nicht hier gewesen und sie erkennt mich offenbar trotz ihrer Demenz sofort wieder.

Auch die Schalen sind ihr bekannt und sie äußert sich dies bzgl. in ihrer humorvollen Art.

 

Wie immer lachen wir miteinander, ich gehe auf ihre Worte und Äußerungen ein, frage ob ihr die Schale auf dem Bauch angenehm ist, ob ihr das gefällt, erkläre ihr, dass sie auch gerne die Augen einen Moment schließen kann um die Klänge zu genießen … und zu allem gibt sie mir positive Rückmeldungen, oft eben auch auf ihre Weise, die ich so sehr mag.

 

Es ist sehr schön, wenn mir Rückmeldungen jeglicher Art entgegen kommen, denn leider ist dies bei meiner Arbeit dort nicht immer so. Oftmals erfolgt eine Kommunikation nur über die Augen oder Körperreaktionen, manchmal noch nicht einmal mehr das.

 

Viel zu schnell vergeht wieder einmal die Zeit und ich verabschiede mich von Frau W.
Sie bedankt sich ganz herzlich bei mir, was ich ebenfalls mit Freude zurückgeben kann und erkläre ihr, dass ich jetzt wieder regelmäßig komme und das nächste Mal in zwei Wochen sein wird.

Sie strahlt und freut sich, wünscht mir alles Liebe und Gute bis dahin.

Ich gebe ihr alle lieben Wünsche zurück und wünsche ihr eine gute Zeit bis zu unserem Wiedersehen.

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Frau R.:

Sodann gehe ich zu Frau R., die in ihrem Zimmer bereits für das Mittagessen im Rollstuhl sitzt.

Da sie wirklich sehr schwerhörig ist und leider keine Hörgeräte hat, muss ich mit ihr immer sehr laut reden und das möglichst nah an ihrem Ohr. Meist kitzeln mich schon ihre Haare an meiner Nase … Mir ist die Lautstärke immer unangenehm, da ich diese schon fast wie „Anschreien“ empfinde, aber nur so kann sie mich verstehen. 

 

Frau R. hat bisher so gut wie immer im Rollstuhl im Gemeinschaftsraum gesessen.

So hatte ich bei ihr jedes Mal ein selbstgenähtes längeres Kissen vor ihr auf den Tisch gelegt, auf das sie ihre Hände legen konnte, um so die Klangschwingung zu spüren. In der Mitte des Kissens zwischen ihren Händen habe ich dann eine Klangschale aufgestellt und den Teewagen mit den übrigen Klangschalen in ihrem Rückenbereich plaziert, so dass ich die Beckenschale dort gut anschlegeln konnte. Auf diese Weise habe ich ihr einen wohligen Klangraum ermöglicht. 


Viel gesprochen hat Frau R. nie - vermutlich aufgrund ihrer Schwerhörigkeit -,  jedoch hat sie sehr oft „schön …“ mit leuchtenden Augen gesagt und dann den Klang weiter genossen, ab und an auch sogar mit geschlossenen Augen.

 

Zwischendurch gab es auch Tage, wo sie offensichtlich sehr in ihrer eigenen Welt unterwegs war ...

 

Einmal wollte sie z. B. unbedingt zu ihrer Mutter, um zu schauen, wie es ihr geht.

Sie wäre doch schon länger nicht mehr dort gewesen und müsse jetzt mal nach dem Rechten sehen, ihre Mutter wäre doch ganz alleine, der Vater nicht da …
Ich ging auf ihre Worte ein, so gut mir dies möglich war.

So fragte ich u. a. wie alt ihre Mutter denn sei – „sie müsste jetzt ungefähr 100 sein …“.
Frau R. sprach immer weiter davon und ich fragte wo ihr Zuhause denn sei und wo ihre Mutter wohne – „ja, in Schlesien …“ erwiderte sie etwas verständnislos ;-)
An diesem Tag sagte sie etwas echauffiert nach unserer Verabschiedung, dass ich „die Daumen drücken soll, dass sie jetzt endlich hier raus kommt“ – natürlich um nach Hause zu ihrer Mutter schauen zu können … ;-)

 

Ein anderes Mal schien sie eher etwas unsicher zu sein während des Klangs - da fragte sie dann wieviel das denn kosten würde, sie habe doch kein Geld …

Natürlich versuchte ich ihr ihre Sorge dies bzgl. zu nehmen, was aber nicht so schnell funktionierte ... immer wieder kam sie zwischendurch darauf zurück.

 

Natürlich gab es auch Tage, wo sie gar nicht so gut bei einander war.

Da war sie dann von Beginn an sehr ruhig und ich konnte ihr nur schwer entlocken, ob ihr der Klang gefiel oder nicht.

Nur einmal in der ganzen Zeit mochte sie ihn nicht und wollte einfach ihre Ruhe haben. Selbstverständlich ist auch das vollkommen in Ordnung.

 

Ich komme also heute (9.5.) bei Frau R. ins Zimmer.

Sie sitzt in ihrem Rollstuhl und schaut erst einmal nur in meine Richtung.

Als ich näher komme und mich zu ihr hinunter beuge, strahlt sie.

Ich begrüße sie mit den Worten „Hallo Frau R., ich bin wieder da“ und sie erwidert lächelnd „das ist schön“.


Es ist offensichtlich, dass auch sie mich nach über 9 Wochen wiedererkennt, was mich natürlich umso mehr freut J J J

Noch viel schneller erkennt sie allerdings das Kissen, was ich bislang immer genutzt habe mit ihr.
Ich hole dieses vom Teewagen hervor, um es über ihre Beine zu legen.

Sie schaut meinem Tun hinterher, sieht das Kissen und ruft freudig und mit leuchtenden Augen „Ahh…“. Sogleich greift sie schon etwas danach und als ich es auf ihre Beine lege, weiß sie sofort was zu tun ist.

Ich bin ihr dabei behilflich ihre Hände rechts und links auf das Kissen zu legen, stelle eine Klangschale dort in die Mitte, eine Schale links neben sie auf das Bett und die dritte Schale steht noch auf dem Teewagen rechts neben ihr.

So ermögliche ich ihr wieder einen wohligen Klangraum, den sie klar erkennbar genießt.

Schon das erste Anschlegeln der Klangschale auf dem Kissen lässt ein Lächeln auf ihrem Gesicht erstrahlen und sie sagt wieder „schön …“.

Während des Klangs schaut sie mich lächelnd an, ich sehe wie ihre Augenlider schwer werden und beuge mich zu ihr um ihr zu sagen, dass sie ihre Augen gerne schließen kann.

Aber wie so oft, versucht sie diese offen zu halten.

 

Das ist mir auch generell während meiner Arbeit im Seniorenheim aufgefallen – die Augen schließen ist offenbar etwas, wo ich den Eindruck habe, dass sich dies nicht „ziemt“, wenn jemand da ist … vollkommen egal, ob es hier gerade um Entspannung geht, was ich ja auch immer wieder entsprechend erkläre …

 

Unsere Zeit neigt sich dem Ende, ich nehme eine Klangschale auf die Hand und nach dem Anklingen schwinge ich diese ganz sanft mit etwas Abstand vor ihrem Gesicht von einem Ohr zum anderen. Sie streckt ihren Kopf sofort in die Richtung, von wo der Klang kommt, schaut mich dann mit strahlendem Gesicht an und sagt wieder „das ist schön …“.

 

Auch das war mir bereits des Öfteren aufgefallen – trotz ihrer immensen Schwerhörigkeit, kann sie den Klang doch deutlich besser wahrnehmen, als Worte. Und selbst diese hat sie sogar schon während der Klangarbeit zwischendurch besser hören können, als zu Beginn bei der Begrüßung. In diesen Momenten musste ich nicht mehr so wahnsinnig laut mit ihr reden, was mir natürlich generell besser gefiel, ich aber auch wirklich sehr besonders fand, da sich der Hörsinn offenbar während des Klangs etwas zum Positiven verändert hatte J

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Frau C.:

Zum Schluss ging ich zu Frau C., wo ich bislang nur drei- oder viermal war und es sich auch jedes Mal etwas schwierig gestaltete Zugang zu ihr zu bekommen.
Sie ist eine sehr ängstliche Person, kann sich entsprechend schlecht auf die Klänge einlassen, trotz dass es ihr gefällt und zur Ruhe zu kommen, die Klänge entsprechend zu genießen, ist ihr gar nicht möglich gewesen.

 

Heute war dies so ganz anders – wohlgemerkt nach 9 Wochen:

 

Ich begrüße Frau C. im Gemeinschaftsraum, wo es bald Mittagessen gibt.

Bei ihr ist das Wiedersehen eher normal und unspektakulär - wie bislang immer.

Sie scheint mein Gesicht jedoch zu kennen.

Ich erkläre ihr, was ich machen möchte und frage sie, ob sie damit einverstanden ist. Sie bejaht dies und sodann fahre ich sie mit ihrem Rollstuhl in ihr Zimmer.

Dort angekommen, erkläre ich ihr noch einmal was ich nun machen möchte, frage ob sie damit einverstanden ist, lege auch ihr das längliche Kissen über die Beine, um dann aber festzustellen, dass dies heute nicht funktioniert.

Sie hat ihre Arme eher verkrampft auf den Stuhllehnen liegen, so dass mir eine für sie bequeme Lagerung ihrer Hände nicht möglich ist.

 

Somit nehme ich ihre Hände in meine Hand, so dass beide mit den Fingern bei mir gut aufliegen. Ihre Ellenbogen liegen nach wie vor auf den Stuhllehnen.

Ich stelle eine Schale auf ihre Handrücken - mit meinem Handballen natürlich unterstützt, so dass alles Gewicht auf meiner Hand liegt.

Ihre Hände befinden sich somit zwischen meinen Händen und der Klangschale.

Ich klinge die Schale an, was ihr auch gefällt auf meine Nachfrage hin.

Daraufhin klinge ich auch noch zwei weitere Klangschalen auf dem Teewagen an, um auch ihr einen wohligen Klangraum zu ermöglichen. 

Sie fragt mich noch, wie oft ich denn hier bin und ob ich denn hier viel zu tun habe - was ich entsprechend beantworte. 

 

Und dann wird es immer stiller – Frau C. hat ihre Augen geschlossen, ihr Kopf sinkt mit jedem Klang tiefer und tiefer, auch ihre Hände liegen immer schwerer in meiner Hand, bis sie schließlich nach einer Weile zwischen Klangschale und Hand herausrutschen und entspannt nach unten sinken …

Wie irre ist das denn jetzt bitte … J J J


Frau C., die sonst so unruhig ist ... ständig redet oder Fragen stellt ... die Augen noch kein einziges Mal schließen konnte während des Klangs ... die mir ständig sagt, dass sie entweder müde ist und ins Bett oder aber wieder zurück in den Gemeinschaftsraum möchte … diese Dame kommt heute so gut zur Ruhe und wirkt völlig entspannt mit geschlossenen Augen, und das so schnell und ohne Probleme … J

 

Am Ende unserer Zeit bekomme ich sie gar nicht sofort wieder in das Hier und Jetzt zurück, sondern muss etwas lauter reden und an ihren Armen etwas fester entlang streichen.

Ich frage sie, ob es ihr denn heute gefallen habe, was sie deutlich bejaht.

Wir sprechen noch ein wenig und dann fahre ich sie wieder in den Gemeinschaftsraum, wo sie ihr Mittagessen zu sich nehmen kann.

 

 

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